Bitcoin und Steuern: Was ist bei der Versteuerung von Bitcoin und Kryptowährungen zu beachten?

  • Aktualisiert: 10. September 2019
  • Lesedauer: 7 Minuten
Dieser Artikel stellt eine Einführung in die aktuellen Regelungen und Best-Practices im Umgang von Bitcoin und dessen Besteuerung dar. Hier erfährst du, welche Steuer du beim Handel von Kryptowährungen zu beachten hast und wo diese in der Steuererklärung angegeben werden müssen.
 
Hinweis: Dieser Artikel richtet sich an private Investoren von Kryptowährungen, die mit Bitcoin, Ethereum und Co. handeln. Detailliertere Betrachtungen zu Spezialfällen wie Gewerblichkeit, Mining, Staking etc. folgen in zukünftigen Artikeln auf unserer Website coin.ink.
 
In diesem Artikel werden folgende Fragen beantwortet:
 
 

Infografik: Muss ich den Handel von Kryptowährungen wie Bitcoin in der Steuererklärung angeben?

Kryptowährungen wie Bitcoin in der Steuererklärung

Muss ich Steuern auf den Kauf und Verkauf von Bitcoin und anderen Kryptowährungen zahlen?

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an!

Die lange Antwort: Grundsätzlich gilt, dass Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen beim Überschreiten der Freigrenze selbständig in der Steuererklärung angegeben werden müssen. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind in Deutschland keine gesetzlichen Zahlungsmittel, weshalb der Kauf und Verkauf als private Veräußerungsgeschäfte gem. §23 EStG klassifiziert werden. Damit sind die Erträge aus dem Handel von Bitcoins steuerlich mit Erträgen aus privaten Veräußerungsgeschäften, wie dem privaten Autoverkauf oder Ebay-Verkäufen, gleichzustellen.


Welche Steuern sind auf Bitcoin zu zahlen?

Die Abgeltungssteuer gilt für Verkäufe von Anlagen, wie etwa Aktien und fällt pauschal mit 25% aus. Glücklicherweise unterliegen private Veräußerungsgeschäfte nicht der pauschalen Abgeltungssteuer. Das heißt für dich, dass der Ertrag aus Bitcoin und anderen Kryptowährungen unter Umständen komplett steuerfrei sein kann. Hierbei kommt es auf zwei Faktoren an:

  • die Zeitspanne, in der du deine Bitcoins gehalten hast, bevor du diese wieder verkaufst/eintauschst (sog. Spekulationsfrist)
  • die Höhe des Gewinns aus dem Verkauf aller deiner Kryptowährungen innerhalb eines Steuerjahres (Freigrenze)
 

Sind Bitcoin und Kryptowährungen nach einem Jahr steuerfrei?

Grundsätzlich gilt, dass Gewinne und Verluste aus Verkäufen zu 100% steuerfrei sind, sofern die verkauften Kryptowährungen zuvor länger als ein Jahr in deinem Besitz waren. Gem. §23 EStG sind Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften nur steuerpflichtig und in der Steuererklärung anzugeben, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung des Wirtschaftsguts nicht länger als ein Jahr ist.

Hinweis: Trotz Steuerfreiheit, raten wir dir dennoch all deine Erträge und Transaktionen jedes Jahr in der Steuererklärung anzugeben. Zum einen geben bestandskräftige Steuerbescheide durch das Finanzamt dir Rechtssicherheit. Derzeit sind noch nicht alle Regelungen bzgl. Bitcoins und Steuer detailliert festgesetzt und könnten sich in Zukunft (minimal) ändern. Demgegenüber kann man dich für Angaben in bereits bestätigten Steuererklärungen im Nachhinein nicht aufgrund von Gesetzesänderungen belangen. Außerdem sind Finanzämter derzeit noch dankbar für jede einzelne Angabe von Gewinnen aus Bitcoins und kulant gegenüber Erläuterungen von Einzelfällen. Im Fall von unvollständigen Daten, kannst du somit einfacher einer „versehentlichen“ Steuerverkürzung bzw. Steuerhinterziehung entgegenwirken.


Welcher Freigrenze unterliegen Einkünfte aus Bitcoin und Kryptowährungen?

Verkaufst du deine Kryptowährungen innerhalb der 12-monatigen Haltefrist, sind Gewinne erst bei einer jährlichen Überschreitung von 600 Euro steuerpflichtig. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen Freibetrag, sondern um eine Freigrenze, d.h. dass nicht nur Gewinne ab 600 Euro versteuert werden, sondern dass der komplette Gewinn bei Überschreitung der 600-Euro-Grenze versteuert wird.

Gewinne ergeben sich aus dem Wertzuwachs der verkauften Kryptowährungen zwischen dem Zeitpunkt der Anschaffung und dem der Veräußerung. Dein Ertrag errechnet sich dabei wie folgt:

Ertrag = Verkaufspreis – Anschaffungskosten – Werbungskosten.

Achtung: Die 600-Euro-Freigrenze gilt nicht isoliert für Bitcoin und andere Kryptowährungen, sondern gemeinsam für alle weiteren privaten Veräußerungsgeschäfte gem. §23 EStG. Hast du beispielsweise ein Gemälde gekauft und innerhalb eines Jahres für 700 Euro Gewinn wieder verkauft, so sind die 600 Euro Freigrenze für dieses Jahr bereits überschritten. Jeder gewonnene Euro aus verkauften Bitcoins würde für dasselbe Jahr in voller Höhe versteuert werden. Welche Verkäufe als private Veräußerungsgeschäfte gelten und welche nicht, kannst du hier nachlesen.


Welche Transaktionen von Bitcoins sind steuerlich relevant?

Grundsätzlich gilt, dass nur Transaktionen steuerlich relevant sind, die ein privates Veräußerungsgeschäft gem. §23 EStG auslösen und damit die Haltefrist beeinträchtigen. Dabei ist nicht jede Transaktion ein Auslöser.

Transaktionen, die kein kein privates Veräußerungsgeschäft darstellen:

  • Einzahlung von Fiatwährungen (Euro, US-Dollar, etc.)  in eine Krypto-Exchange
  • Kauf von Kryptowährungen mit Fiatwährungen auf der Exchange
  • Transfer von Fiatwährungen von einer Exchange auf das eigene Bankkonto
  • Transfer, d.h. das Verschieben von Kryptowährungen von einem eigenen Depot (z.B. Exchange) in ein anderes eigenes Depot (z.B. Wallet)

Transaktionen, die ein privates Veräußerungsgeschäft darstellen und damit steuerpflichtig sind:

  • Verkauf von Kryptowährungen gegen Fiatwährungen
  • Zahlung mit Kryptowährungen für Waren oder Dienstleistungen
  • Tausch von Kryptowährungen in eine andere Kryptowährung
    Dies ist eines der größten Irrtümer. Der Tausch einer Kryptowährung in eine andere Kryptowährung ist definitiv steuerpflichtig, auch wenn dabei keine “realen” Gewinne in Fiatwährungen erzielt werden.

Das korrekte Erkennen von steuerpflichtigen Transaktionen ist wichtig für die Berechnung der Haltedauer. Wenn du hier Fehler machst, könnte dies eine Steuerverkürzung bzw. Steuerhinterziehung darstellen. 


Wie berechne ich die Haltedauer für meine Bitcoins und Kryptowährungen?

Bei der Ermittlung der Haltedauer, ist es wichtig festzustellen welche konkreten Bitcoins zu welchem Zeitpunkt gekauft und verkauft wurden. Solltest du häufiger Kryptowährungen hin und her tauschen, kann es schwierig sein aufgrund der Aufteilung der Anschaffungsdaten, die exakte Haltedauer der einzelnen Coins zu ermitteln.

Damit du die Erträge aus deinen Bitcoin-Verkäufen trotzdem in deine Steuererklärung aufnehmen kannst, wird für die Ermittlung der Haltedauer das „First in, First out“-Verfahren (FiFo) von den deutschen Finanzverwaltungen derzeit empfohlen. Die FiFo-Methode besagt, dass jeder Bitcoin in einem Depot chronologisch entsprechend seines Anschaffungsdatums auch wieder veräußert wird. Das heißt, dass zuerst gekaufte Bitcoins auch als erste wieder verkauft werden.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel:

Kauf #1: 15. August 2017 – 2 Bitcoins – pro Stück 250 EUR

Kauf #2: 21. Dezember 2017 – 2 Bitcoins – pro Stück 400 EUR

Verkauf: 26. November 2018 – 3 Bitcoins – pro Stück 900 EUR

Wir besitzen also insgesamt  4 BTC und verkaufen davon 3 BTC. Laut dem FiFo-Prinzip wird nun angenommen, dass die am längsten gehaltenen Bitcoins zuerst verkauft werden, in diesem Fall werden zunächst die 2 BTC vom Kauf #1 veräußert. Der ausstehende verkaufte Bitcoin wird dann vom Pool der Bitcoins aus dem Kauf #2 gezogen. Es bleibt zum Schluss 1 BTC des Kauf #2 mit „Kaufdatum – 21. Dezember 2017“ übrig.

Um die Haltedauer zu ermitteln, schauen wir uns an, wie lange die verkauften Bitcoins im Besitz waren, bevor sie veräußert wurden. Die zwei verkauften Bitcoins aus Kauf #1 waren länger als ein Jahr im Besitz (Kauf am 15. August 2017, Verkauf am 26. November 2018). Dementsprechend ist der Gewinn von 1300 Euro (2x900EUR – 2x250EUR) hier steuerfrei. Der dritte verkaufte Bitcoin Kauf #2 war zum Zeitpunkt des Verkaufs weniger als ein Jahr im Besitz (Kauf am 21. Dezember 2017, Verkauf am 26. November 2018). Deswegen muss der Gewinn von 500 Euro grundsätzlich versteuert werden. In diesem Beispiel sind die jährlichen 600 Euro Freigrenze jedoch noch nicht überschritten worden, weswegen der Gewinn steuerfrei bleibt.

Hinweis: coin.ink wendet für die Ermittlung der Verbrauchsfolge das FiFo-Verfahren an. Registriere dich hier kostenlos, um die Berechnungen automatisiert übernehmen zu lassen. Du kannst dich auch für das „Last in, First out“-Verfahren (LiFo) entscheiden, wovon wir jedoch aus verschiedenen Gründen abraten. Solltest du dieses Verfahren bevorzugen, kannst du hier für Details weiterlesen.

 

Wie viel Steuern muss ich am Ende auf Bitcoin und Kryptowährungen zahlen?

Sollten deine Erträge steuerpflichtig sein, versteuerst du diese mit deinem individuelle Einkommensteuersatz inkl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Dein Steuersatz ergibt sich aus deinem insgesamt zu versteuernden Einkommen und rangiert im Jahr 2019 ab einer jährlichen Höhe von 9.168 EUR (für Singles; 18.336 EUR für Verheiratete) von 14-42%. Ab einem jährlichen zu versteuernden Einkommen von über 265.327 Euro gilt die sog. Reichensteuer von 45%. 

 

Wie spare ich Steuern bei Bitcoin und Kryptowährungen?

Um die Höhe der zu zahlenden Steuern zu verringern, kannst du auf zwei Dinge achten: Verluste realisieren und deine Kryptowährungen in verschiedenen Depots getrennt führen.


Verluste geltend machen beim Handel von Bitcoin und Kryptowährungen

Wie du nun weißt, sind Gewinne beim Verkauf von Bitcoins nach der einjährigen Haltefrist komplett steuerfrei. Dies gilt jedoch auch für Verluste. Dies hat zur Folge, dass Bitcoins, die an Wert verlieren und erst nach einem Jahr verkauft werden nicht steuerlich als Verluste abgezogen werden können. Denn Verluste können nur steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie innerhalb der Haltefrist realisiert wurden, d.h. wenn Bitcoins verkauft oder gegen andere Kryptowährungen eingetauscht wurden. Du kannst also deine Verluste realisieren und gegen deine anderen Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften im gleichen Jahr verrechnen. Damit sinkt der Gesamtgewinn und dementsprechend die zu zahlende Steuer.

Sollte das Jahresergebnis einen Verlust darstellen, kannst du diese Verluste sogar bis zu einem Jahr zurücktragen oder uneingeschränkt in die Zukunft vortragen, um diese mit zukünftigen Gewinnen verrechnen zu können. Mit diesem Wissen kannst du gezielt Verluste realisieren, um so deine aktuelle und zukünftige Steuerlast zu mindern.

Faustregel: Grundsätzlich solltest du Verluste innerhalb der Haltefrist und Gewinne außerhalb der Haltefrist realisieren.


Steuern sparen bei Kryptowährungen: Depottrennung in Short & Long

Eine weitere Möglichkeit die Haltefrist sich zunutze zu machen, ist die eigenen Bitcoins in kurzfristige Depots (für die regelmäßige Nutzung) und langfristige Depots (zur Erreichung der Haltefrist) zu trennen. Dabei ist jede Kryptowährung in einem Depot (Adresse, Wallet, Börse, etc.) jeweils als ein eigenständiges Depot zu sehen, auf welche unabhängig voneinander die FiFo-Methode angewandt werden kann. Diese Aufteilung kann große steuerliche Ersparnisse zur Folge haben.


Wo werden Bitcoin und Kryptowährungen in der Steuererklärung eingetragen?

Den Gewinn bzw. Verlust aus dem Handel von Bitcoin und anderen Kryptowährungen gibst du in der Anlage SO (Sonstige Einkünfte) an. Explizit im Bezug auf Handeln von Bitcoins und Kryptowährungen werden diese in der Zeil 48 SO eingetragen.

Hinweis: In coin.ink´s leicht verständlichen Steuerreports findest du auch die Zeilen in der Steuererklärung, in die du deine automatisch berechneten Gewinne und Verluste eintragen musst. Alle zusätzlichen Nachweise für das Finanzamt werden dir natürlich gleich mitgeliefert.

 

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