Bitcoin und Steuern: Was ist beim Versteuern von Kryptowährungen zu beachten?

  • Aktualisiert: 20. November 2019
  • Lesedauer: 9 Minuten
 
Dieser Artikel stellt eine Einführung in die aktuellen Regelungen und Best Practice im Umgang mit Kryptowährungen und Steuern dar. Hier erfährst du, welche Steuer du beim Handel von Kryptowährungen wie Bitcoin zu beachten hast und wo diese in der Steuererklärung angegeben werden müssen.
 
Hinweis: Dieser Artikel richtet sich an private Investoren von Kryptowährungen, die mit Bitcoin, Ethereum und Co. handeln. Detailliertere Betrachtungen zu Spezialfällen wie Gewerblichkeit, Mining, Staking etc. folgen in zukünftigen Artikeln auf unserem Blog über Kryptowährungen und Steuern.
 

Infografik: Muss ich den Handel von Kryptowährungen wie Bitcoin in der Steuererklärung angeben?​ 

Kryptowährungen wie Bitcoin in der Steuererklärung

Muss ich Steuern auf den Kauf und Verkauf von Bitcoin und anderen Kryptowährungen zahlen?

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an!

Die lange Antwort: Grundsätzlich gilt, dass realisierte Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen beim Erreichen oder Überschreiten der Freigrenze von 600 Euro selbständig in der Steuererklärung angegeben werden müssen. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind in Deutschland keine gesetzlichen Zahlungsmittel, weshalb der Kauf und Verkauf als private Veräußerungsgeschäfte gem. § 23 EStG klassifiziert werden. Damit sind die Erträge aus dem Handel von Bitcoins steuerlich mit Erträgen aus privaten Veräußerungsgeschäften, wie dem privaten Autoverkauf oder Ebay-Verkäufen, gleichzustellen.

Welcher Steuersatz ist auf Gewinne aus Bitcoin und Co. zu zahlen?

Fälschlicherweise wird die Abgeltungssteuer immer wieder in den Zusammenhang mit dem Handel von Kryptowährungen gebracht. Die Abgeltungssteuer gilt für Verkäufe von Anlagen, wie etwa Aktien und fällt pauschal mit 25 % aus. Private Veräußerungsgeschäfte unterliegen jedoch nicht der pauschalen Abgeltungssteuer, sondern dem privaten Einkommensteuersatz. 

Dieser Einkommensteuersatz variiert je nach Einkommen und liegt im Bereich von 0 % bis 45 %. Der Grundfreibetrag liegt in 2019 bei 9.168 Euro. In diesem Bereich entspricht der Steuersatz damit 0 %. Zwischen 9.168 Euro und 55.961 Euro steigt der Steuersatz von 14 % bis auf 42 %. In der Zone von 55.961 Euro bis 265.327 Euro entspricht der Einkommensteuersatz 42 % und in der Zone darüber bei 45 %. 

Das heißt für dich, dass der Ertrag aus Bitcoin und anderen Kryptowährungen, sollte dieser die Freigrenze erreichen oder überschreiten, mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert wird.

Glücklicherweise kann dieser Ertrag aber durch die Klassifizierung als privates Veräußerungsgeschäft damit unter Umständen komplett steuerfrei sein. Hierbei kommt es auf zwei Faktoren an:

  • die Zeitspanne, in der du deine Bitcoins gehalten hast, bevor du diese wieder verkaufst bzw. handelst (sogenannte Spekulationsfrist)
  • die Höhe des Gewinns aus dem Verkauf aller deiner Kryptowährungen innerhalb eines Steuerjahres (Freigrenze)

Sind Bitcoin- und Kryptowährungsverkäufe nach einem Jahr steuerfrei?

Gewinne und Verluste aus Verkäufen sind immer zu 100 % steuerfrei, sofern die verkauften Kryptowährungen zuvor länger als ein Jahr in deinem Besitz waren. Dementsprechend sind künftige Gewinne, die aus diesen steuerfreien Kryptowährungen resultieren steuerfrei. Gemäß § 23 EStG sind Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften nur steuerpflichtig und in der Steuererklärung anzugeben, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung des Wirtschaftsguts nicht länger als ein Jahr ist. Wie man diese Haltedauer richtig berechnet und welche Verbrauchsfolgeverfahren hierfür notwendig sind, erfährst du in unserem Artikel zur Haltefrist von Kryptowährungen. Hinweis: Trotz Steuerfreiheit, raten wir dir dennoch all deine Erträge und Transaktionen jedes Jahr in der Steuererklärung anzugeben. Zum einen geben bestandskräftige Steuerbescheide durch das Finanzamt dir Rechtssicherheit. Derzeit sind noch nicht alle Regelungen bzgl. Bitcoins und Steuern detailliert festgesetzt und könnten sich in Zukunft ändern. Demgegenüber kann man dich für Angaben in bereits bestätigten Steuererklärungen im Nachhinein nicht aufgrund von Gesetzesänderungen belangen.  Zum anderem sind Finanzämter derzeit noch dankbar für jede einzelne Angabe von Gewinnen aus Kryptowährungen und kulant gegenüber Erläuterungen von Einzelfällen. Im Fall von unvollständigen Daten kannst du somit einfacher einer „versehentlichen“ Steuerverkürzung bzw. Steuerhinterziehung entgegenwirken.

Welcher Freigrenze unterliegen Einkünfte aus Bitcoin und Kryptowährungen?

Verkaufst du deine Kryptowährungen innerhalb der 12-monatigen Haltefrist, sind Gewinne erst beim Erreichen oder Überschreiten der jährlichen Freigrenze von 600 Euro steuerpflichtig. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen Freibetrag, sondern um eine Freigrenze, d. h. dass nicht nur Gewinne ab 600 Euro versteuert werden, sondern dass der komplette Gewinn bei Überschreitung von 599,99 Euro versteuert wird.

Achtung: Die 600-Euro-Freigrenze gilt nicht isoliert für Bitcoin und andere Kryptowährungen, sondern gemeinsam für alle weiteren privaten Veräußerungsgeschäfte gem. § 23 EStG. Hast du beispielsweise ein Gemälde gekauft und innerhalb eines Jahres für 700 Euro Gewinn wieder verkauft, so sind die 600 Euro Freigrenze für dieses Jahr bereits überschritten. Jeder gewonnene Euro aus verkauften Bitcoins würde für dasselbe Jahr in voller Höhe versteuert werden. Welche Verkäufe als private Veräußerungsgeschäfte gelten und welche nicht, kannst du hier nachlesen

Wie werden die Gewinne bzw. Verluste aus dem Handel mit Cryptos berechnet?

Gewinne bzw. Verluste ergeben sich hierbei aus dem Wertzuwachs/Wertverlust der verkauften Kryptowährungen zwischen dem Zeitpunkt der Anschaffung und dem der Veräußerung. Diese Erträge sind jedoch nur steuerbar, sofern diese innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr realisiert wurden. Dein Ertrag errechnet sich dabei wie folgt:

Ertrag = Verkaufspreis – Anschaffungskosten – Werbungskosten.

Welche Transaktionen mit Bitcoins sind steuerlich relevant?

Grundsätzlich gilt, dass nur Transaktionen steuerlich relevant sind, die ein privates Veräußerungsgeschäft gem. § 23 EStG auslösen. Dabei ist nicht jede Transaktion ein Auslöser.

Transaktionen, die kein kein privates Veräußerungsgeschäft darstellen:

  • Einzahlung von Fiatwährungen (Euro, US-Dollar, etc.)  in eine Kryptobörse
  • Kauf von Kryptowährungen mit Fiatwährungen auf der Börse
  • Transfer von Fiatwährungen von einer Börse auf das eigene Bankkonto
  • Transfer, d. h. das Verschieben von Kryptowährungen von einem eigenen Depot (z.B. Börse) in ein anderes eigenes Depot (z. B. Wallet)
  • Alle Bestandteile einer Transaktion, die bereits die Haltedauer von einem Jahr überschritten haben

Transaktionen, die ein privates Veräußerungsgeschäft darstellen und damit steuerpflichtig sind, sofern diese innerhalb der Spekulationsfrist getätigt worden sind:

  • Verkauf von Kryptowährungen gegen Fiatwährungen
  • Zahlung mit Kryptowährungen für Waren oder Dienstleistungen
  • Tausch von Kryptowährungen in eine andere Kryptowährung
    Hinweis: Dieser Fall ist eines der größten bekannten Irrtümer im Bereich der Steuern von Kryptowährungen. Der Tausch einer Kryptowährung in eine andere Kryptowährung ist definitiv steuerpflichtig, auch wenn dabei keine „realen“ Gewinne in Fiatwährungen erzielt werden.

Das korrekte Identifizieren von steuerpflichtigen Transaktionen ist wichtig für die Berechnung der zu versteuernden Einkünfte. Wenn du hier Fehler machst, könnte dies eine Steuerverkürzung bzw. Steuerhinterziehung darstellen.

Wie berechne ich die Haltedauer für meine Bitcoins und Kryptowährungen?

Bei der Ermittlung der Haltedauer, ist es wichtig festzustellen, welche konkreten Bitcoins zu welchem Zeitpunkt gekauft und verkauft wurden. Solltest du häufiger Kryptowährungen hin und her tauschen, kann es schwierig sein aufgrund der Aufteilung der Anschaffungsdaten, die exakte Haltedauer der einzelnen Coins zu ermitteln.

Damit du die Erträge aus deinen Bitcoin-Verkäufen trotzdem in deine Steuererklärung aufnehmen kannst, wird für die Ermittlung der Haltedauer das „First in, First out“-Verfahren (FiFo) von den deutschen Finanzverwaltungen derzeit obligatorisch empfohlen. Die FiFo-Methode besagt, dass jeder Bitcoin in einem Depot chronologisch entsprechend seines Anschaffungsdatums auch wieder veräußert wird. Das heißt, dass zuerst gekaufte Bitcoins auch als erste wieder verkauft werden.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel:

Kauf #1: 15. August 2017 – 2 Bitcoins – pro Stück 250 EUR

Kauf #2: 21. Dezember 2017 – 2 Bitcoins – pro Stück 400 EUR

Verkauf: 26. November 2018 – 3 Bitcoins – pro Stück 900 EUR

Wir besitzen also insgesamt  4 BTC und verkaufen davon 3 BTC. Laut dem FiFo-Prinzip wird nun angenommen, dass die am längsten gehaltenen Bitcoins zuerst verkauft werden, in diesem Fall werden zunächst die 2 BTC vom Kauf #1 veräußert. Der ausstehende verkaufte Bitcoin wird dann vom Pool der Bitcoins aus dem Kauf #2 gezogen. Es bleibt zum Schluss 1 BTC des Kauf #2 mit „Kaufdatum – 21. Dezember 2017“ übrig.

Um die Haltedauer zu ermitteln, schauen wir uns an, wie lange die verkauften Bitcoins im Besitz waren, bevor sie veräußert wurden. Die zwei verkauften Bitcoins aus Kauf #1 waren länger als ein Jahr im Besitz (Kauf am 15. August 2017, Verkauf am 26. November 2018). Dementsprechend ist der Gewinn von 1300 Euro (2x900EUR – 2x250EUR) hier steuerfrei.

Der dritte verkaufte Bitcoin Kauf #2 war zum Zeitpunkt des Verkaufs weniger als ein Jahr im Besitz (Kauf am 21. Dezember 2017, Verkauf am 26. November 2018). Deswegen muss der Gewinn von 500 Euro prinzipiell versteuert werden. In diesem Beispiel ist die jährliche Freigrenze von 600 Euro jedoch noch nicht überschritten worden, weswegen der Gewinn steuerfrei bleiben würde.

Mehr zu Thema Haltedauer und Haltefrist mit Tipps wie man diese für sich nutzen kann und Fallen, die man zu beachten hat, findest du in diesem Artikel.

Hinweis: coin.ink wendet für die Ermittlung der Verbrauchsfolge das FiFo-Verfahren an. Registriere dich hier kostenlos, um die Berechnungen automatisiert übernehmen zu lassen. Du kannst dich auch für das „Last in, First out“-Verfahren (LiFo) entscheiden, wovon wir jedoch aus verschiedenen Gründen abraten. Wenn du mehr über die Verbrauchsfolgeverfahren erfahren willst, dann kannst du in unseren Artikel über FiFo oder LiFo: „Wie ermittle ich den Gewinn für das Finanzamt?“ weiterlesen.

Steuerlast: In welcher Höhe muss ich am Ende Steuern auf Kryptowährungen zahlen?

Sollten deine Erträge steuerpflichtig sein, versteuerst du diese mit deinem individuellen Einkommensteuersatz inkl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Dein Steuersatz ergibt sich aus deinem insgesamt zu versteuernden Einkommen und rangiert im Jahr 2019 ab einer jährlichen Höhe von 9.168 EUR (für Singles; 18.336 EUR für Verheiratete) von 14-42 %. Ab einem jährlichen zu versteuernden Einkommen von über 265.327 Euro gilt die sog. Reichensteuer von 45 %. Dieser Steuersatz ergibt multipliziert mit deinen Erträgen aus privaten Veräußerungsgeschäfte deine Steuerlast.

Steuerlast aus Kryptowährungen = (individueller Einkommensteuersatz)*(Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen)

Wie spare ich Steuern bei Bitcoin und Kryptowährungen?

Um die Höhe der zu zahlenden Steuern zu verringern, kannst du auf zwei Dinge achten: Verluste realisieren und deine Kryptowährungen in verschiedenen Depots getrennt führen.

Verluste geltend machen beim Handel von Bitcoin und Kryptowährungen

Wie du nun weißt, sind Gewinne beim Verkauf von Bitcoins nach der einjährigen Haltefrist komplett steuerfrei. Dies gilt jedoch auch für Verluste. Dies hat zur Folge, dass Bitcoins, die an Wert verlieren und erst nach einem Jahr verkauft werden nicht steuerlich als Verluste abgezogen werden können. Denn Verluste können nur steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie innerhalb der Haltefrist realisiert wurden, d. h. wenn Bitcoins verkauft oder gegen andere Kryptowährungen eingetauscht wurden.

Du kannst also deine Verluste realisieren und gegen deine anderen Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften im selben Jahr verrechnen. Damit sinkt der Gesamtgewinn und dementsprechend die zu zahlende Steuer. Bei Unterschreitung der Freigrenze von 600 Euro wären damit die Gewinne sogar komplett steuerfrei.

Sollte das Jahresergebnis einen Verlust darstellen, kannst du diese Verluste sogar bis zu einem Jahr zurücktragen oder uneingeschränkt in die Zukunft vortragen, um diese mit zukünftigen Gewinnen verrechnen zu können. Mit diesem Wissen kannst du gezielt Verluste realisieren, um so deine aktuelle und zukünftige Steuerlast zu mindern.

Faustregel: Grundsätzlich solltest du Verluste innerhalb der Haltefrist und Gewinne außerhalb der Haltefrist realisieren.

Steuern sparen bei Kryptowährungen: Depottrennung in Short & Long

Eine weitere Möglichkeit die Haltefrist sich zunutze zu machen, ist die eigenen Bitcoins in kurzfristige Depots (für die regelmäßige Nutzung) und langfristige Depots (zur Erreichung der Haltefrist) zu trennen. Dabei ist jede Kryptowährung in einem Depot (Adresse, Wallet, Börse, etc.) jeweils als ein eigenständiges Depot zu sehen, auf welche unabhängig voneinander die FiFo-Methode angewandt werden kann. Diese Aufteilung kann große steuerliche Ersparnisse zur Folge haben.

Hinweis: coin.ink gibt dir Auswertungen zu deinen aktuellen Gewinnen/Verlusten, zu deinen aktuellen nicht realisierten Verlusten und zu deinen steuerfrei zu realisierenden Gewinnen an. Mit diesem Wissen kannst du aktiv deine Steuerlast mindern und steueroptimierte Entscheidungen treffen. So kannst du sogar deine Steuerpflicht komplett entgegenwirken. Wenn du mehr über das Thema Verluste realisieren und nutzen erfahren willst, dann kannst du in unseren Artikel über Steuern sparen: Verluste aus Kryptowährungen in der Steuererklärung weiterlesen.

Wo werden Bitcoin und Kryptowährungen in der Steuererklärung eingetragen?

Den Gewinn bzw. Verlust aus dem Handel von Bitcoin und anderen Kryptowährungen gibst du in der Anlage SO (Sonstige Einkünfte) an. Explizit im Bezug auf den Handel von Bitcoins und Kryptowährungen wird der Gewinn bzw. Verlust in der Zeile 48 SO eingetragen. Solltest du Verluste realisiert haben, dann kannst du mit der Zeile 51 SO diesen strategisch nutzen, um hiermit durch einen Antrag auf Beschränkung deine Steuerlast bestmöglich als Verlustvortrag oder Verlustrücktrag zu mindern.

Anlage SO Verluste eintragen in der Steuererklärung 

Hinweis: In coin.ink´s leicht verständlichen Steuerreports findest du auch die Zeilen in der Steuererklärung, in die du deine automatisch berechneten Gewinne und Verluste eintragen musst. Alle zusätzlichen Nachweise für das Finanzamt werden dir natürlich gleich mitgeliefert. 

Solltest du Verluste erzielt haben, dann kannst du diese nutzen, um deine aktuelle und zukünftige Steuerlast zu mindern. Wenn du mehr über das Thema Verluste realisieren und nutzen erfahren willst, dann kannst du in unseren Artikel über Steuern sparen: Verluste aus Kryptowährungen in der Steuererklärung weiterlesen. In diesem Artikel erfährst du auch mehr zu einem Verlustvortrag bzw. Verlustrücktrag und wo du diesen in deiner Steuererklärung genau angeben musst.

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