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Hard Forks und Steuer: Wie werden Hard Forks steuerlich behandelt?

  • Aktualisiert: 11. Juni 2019
  • Lesedauer: 5 Minuten
Dieser Artikel stellt eine Einführung in die aktuellen Regelungen und Best-Practices im Umgang mit Hard Forks und dessen Besteuerung dar. Hier erfährst du, welche Steuer du bei Hard Forks von Kryptowährungen zu beachten hast und welche verschiedenen steuerlichen Positionen derzeit genutzt werden.
 
In diesem Artikel werden folgende Fragen beantwortet:
 

 

Was sind Forks? Definition und Erklärung

Das Wort Fork heißt wörtlich übersetzt Gabel und bezeichnet damit sinnbildlich die Abzweigung einer Software in mehrere unterschiedliche Richtungen. Im Falle von Kryptowährungen arbeiten die verschiedenen Protokolle mit Open Source Software. Diese Open Source Charakteristik ist ein integraler Bestandteil der Entwicklung von Kryptowährungen. Damit ist also jedem diese Software frei zugänglich und jeder kann diese Software kopieren, modifizieren und für eigene Zwecke nutzen. Da jede Person diese Software abändern kann, können somit viele Forks der eigentlichen Open Source Software entstehen. Im Falle des Bitcoin Netzwerks wurden bereits über 74 Hard Forks und damit neue Bitcoin Alternativen geschaffen. Der berühmteste Fork Coin von Bitcoin ist Bitcoin Cash (BCH).
 

 

Was ist der Unterschied zwischen Soft Fork und Hard Fork?

Ein Fork ist in erster Linie eine Abänderung der Software bzw. des jeweiligen Protokolls. Je nachdem wie dieser gestaltet ist, wird unterschieden zwischen Soft Forks und Hard Forks. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Klassifizierung von Soft Fork und Hard Fork liegt in der Rückwärtskompatibilität.
Flowchart infographic hardfork
Im Falle von Blockchains wird der Konsens durch Nodes erreicht.
Quelle: https://de.cointelegraph.com/news/can-crypto-exchanges-be-trusted-with-hard-forks
 

 

Soft Fork – Definition und Erklärung

Ein Soft Fork ist rückwärtskompatibel und kann als ein kleines Update der Funktionalität des Kryptowährungsprotokolls verstanden werden. Damit existieren keine Kompatibilitätsprobleme zwischen alten Nodes und neuen Nodes (mit der neuen modifizierten Software). Beide Versionen der Nodes können miteinander arbeiten, sich verstehen und den Konsens schaffen, um neue Blöcke zu generieren. Mittelfristig wird die Version der Software übernommen, die durch die Mehrheit im Netzwerk vertreten wird. Durch einen Soft Fork entsteht also nur eine temporärere Aufspaltung der Blockchain ohne das langfristig zwei verschiedene Blockchains verbleiben.
 

 

Hard Fork – Definition und Erklärung
Ein Hard Fork jedoch ist nicht rückwärtskompatibel. Alte Nodes und neue Nodes können nicht miteinander arbeiten, sodass zwei verschiedene Versionen der Blockchains entstehen. Die Nodes müssen sich dann entscheiden, ob diese auf die neue Version wechseln oder bei der alten Version verbleiben. Durch ein Hard Fork wird also eine dauerhafte Aufspaltung der Blockchain forciert und im Regelfall bleiben beide Blockchains nach dem Hard Fork aktiv. Das hat zur Folge, dass alle Besitzer von Coins der Ursprungsblockchain ebenfalls die selbe Menge an Coins auf der neuen Blockchain besitzen, da diese Bestände im Fork-Zeitpunkt kopiert werden für die neue Blockchain.
 
Beispiel: Bitcoin Cash Hard Fork
Besitzt jemand 1 Bitcoin vor dem Hard Fork von Bitcoin Cash, dann würde diese Person nach dem Hard Fork sowohl 1 Bitcoin auf der Bitcoin Blockchain besitzen als auch 1 Bitcoin Cash auf der Bitcoin Cash Blockchain.
 

Steuerliche Fragestellung bei Hard Forks?

Im Gegensatz zu einem Soft Fork bürgt ein Hard Fork also eine komplexe steuerliche Fragestellung. Nämlich inwieweit die durch den Fork entstandenen Coins nun steuerbar und zu erklären sind. Denn man besitzt nun nach dem Hard Fork genau die selbe Menge an Coins auf der Ursprungsblockchain wie auch auf der neuen Blockchain.
 
Wichtig zu erwähnen ist, dass diese Problematik der duplizierten Coins noch nicht steuerrechtlich gelöst ist. Momentan existieren verschiedene Lösungsansätze, die man alle in geeigneter Form durchaus begründen kann. In Q4 2019 wird hoffentlich Klarheit geschaffen durch das geplante Hinweisschreiben des Bundesministeriums für Finanzen.
 

3 Lösungsansätze für die steuerliche Behandlung 

1. Erhalt und Verkauf sind nicht steuerbar bei einem Hard Fork.

Begründung: Aufgrund des Mangels einer Anschaffung, kann kein Spekulationsgeschäft nach §23 EStG entstehen. Damit wären alle Hard Fork Coins komplett steuerfrei. Diese Auslegung wird durchaus als kritisch angesehen und sollte bei Anwendung in jedem Fall in der Steuererklärung angegeben werden, um das Risiko einer Steuerhinterziehung bei abweichender Auffassung des Finanzamt entgegenzuwirken.
 

2. Aktiensplit Analogie und dessen Problematiken.

Begründung: Analog zur Rechtsprechung von Aktiensplits könnte man annehmen, dass das Problem auf diesem Wege lösbar ist. Sodass die Anschaffungskosten nach der Gesamtwertmethode zum Zeitpunkt des Forks aufgeteilt werden. Auch eine mögliche Aufteilung der Anschaffungskosten zu jeweils 50% wäre nach dieser Analogie möglich (analog 1:2-Aktiensplit).

Dieser Auffassung zu Folgen hat jedoch weitere Fragen und Implikationen zur Konsequenz:

 

2.1. Problem: Wie werden die Marktwerte zum Fork-Zeitpunkt bestimmt?

Es existiert keine Behörde, die diese Aufgabe übernehmen würde im Bereich der Kryptowährungen. Sollte man den Zeitpunkt der Erstnotierung nutzen, dann bleibt die Problematik der hohen spekulativ bedingten Volatilität, die so zu sehr unrealistischen Erstbewertungen führt. Diese Bewertungsproblematik kann nicht so einfach gelöst werden.

 

2.2. Problem: Aufteilung der Anschaffungskosten

Man müsste die Anschaffungskosten des Ursprungscoins bei jedem Hard Fork aufteilen und gerade im Falle von Bitcoin mit über 74 Hard Forks ist diese Bestimmung geradezu unrealistisch und sinnfrei. Viele der Hard Fork Coins werden von einem Investor nie genutzt, da ihn diese gar nicht interessieren oder er von dessen Existenz gar nichts weiß. Es bleibt die Frage, weshalb beispielsweise ein Bitcoin Investor steuerliche Folgen mit sich führen muss, weil Dritte die Bitcoin Blockchain Hard Forken?

 

2.3. Problem: Eindeutige Zuordenbarkeit führt zu keiner Vermischung

Die eindeutige Identifikation der angeschafften Coins bleibt auch nach einem Hard Fork möglich. Die angeschafften Kryptowährungen sind auch nach einem Hard Fork immer noch vorhanden und werden damit nicht eingetauscht. Das Anschaffungsdatum und der Anschaffungswert der Ursprungs-Kryptowährung bleibt eindeutig bestimmbar und muss daher nicht aufgeteilt werden.

 

3. Die sicherste Methode: Ertragsneutrale Behandlung eines Hard Forks ohne Aufteilung der Anschaffungskosten

Begründung: Ein Hard Fork übernimmt nicht nur die Blockchain Historie, sondern damit auch die hinterlegte Steuergeschichte. Die neu geschaffenen Hard Fork Coins werden so mit den historischen Anschaffungsdaten verbucht. Aufgrund der jedoch eindeutig zuordenbaren Anschaffung der Ursprungscoins ist damit keine Notwendigkeit für eine Aufteilung der Anschaffungskosten gegeben. Folglich werden die Anschaffungskosten des neu erhaltenen Coins mit null Euro verbucht. Mit dieser Methode ergibt sich keine Problematik in der Bewertung der beteiligten Coins.

Zusammenfassung: Ein Hard Fork bewirkt das Setzen des Anschaffungsdatums auf den historischen Erwerb und Anschaffungskosten von null Euro für die neu entstandenen Kryptowährungen (Fork Coins).

Unsere bevorzugte Methode für coin.ink
Wir vertreten die Meinung, dass ein Hard Fork mit einem Aktiensplit nichts zu tun hat. Denn nach einem Aktiensplit besitzt man ein Vielfaches derselben Aktie und nicht zwei unterschiedliche Aktien, die sich unterschiedlich entwickeln.
 
Die eindeutige Zuordnung zwischen angeschafften Coins auf der Ursprungsblockchain und neu geschaffenen Fork Coins ist auch sichergestellt und kann daher zu keiner Vermischung der Bestände führen.
 
Wir vertreten damit die dritte vorgestellte Methode, dass die ursprünglichen Coins ganz normal weiter gehandhabt werden und dass die neuen Coins, die durch den Hard Fork entstanden sind, mit Anschaffungskosten von null Euro zu den historischen Anschaffungsdaten der alten Coins gebucht werden. Damit ist ein Fork ertragsneutral bis zum Zeitpunkt der Veräußerung. Im Falle des Erreichens der Haltedauer von einem Jahr wären diese Coins dann auch steuerfrei veräußerbar.
 
 

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